Warum mache ich das hier eigentlich?

Dienstag, 09.09.2014

Vorneweg: Diesen Text hier habe nicht ich geschrieben, sondern ganz dreist von Lea geklaut, die ihn wiederum von Jana aus einer Austauschjahr-Facebook-Gruppe hat, mit der Erlaubnis/Bitte, ihn zu teilen.

 

Austauschschüler

Ein Austauschschüler zu sein ist nicht einfach. Neben den Menschen, die dir immer zur Seite stehen, dich unterstützen und dir Mut zusprechen, gibt es auch immer die Zweifler und Neider, die dir dein Glück nicht gönnen.
Plötzlich reden Menschen, von denen du geglaubt hast, sie seien deine Freunde, hinter deinem Rücken. Das schaffst du ja doch nicht. Nach ein paar Monaten bist du eh wieder zu Hause. Was bildest du dir eigentlich ein? Und trotzdem lächelst du weiterhin als ob nichts wär’. Hörst dir die geheuchelten Abschiedsgrüße an. „Ich schaffe das schon.“ Irgendwie. Bestimmt.
Es gibt Tage, an denen du dir selbst nicht glaubst. Am liebsten würdest du die Zeit zurückdrehen. Was hat dich bloß zu diesem Irrsinn geritten? Vielleicht wolltest du einfach beweisen, dass du stark genug bist. All den Zweiflern um dich herum. „Du musst uns nichts beweisen.“, sagen die Menschen, die dich lieben. „Ich weiß“ Und mit der Zeit verstehst du, dass du diesen Menschen nichts beweisen musst. Doch jetzt willst du es dir selbst beweisen. Am Flughafen überlegst du dir dann für einen Moment ernsthaft, deine Koffer zu nehmen und zurück nach Hause zu fahren. Einfach so, als ob nie etwas gewesen wäre.

Doch wofür hast du dir dann den ganzen Stress angetan?

In deinem neuen Zuhause angekommen, ist es dann auch nicht immer so wie erhofft. Und mit der Zeit wird dir bewusst, dass es die kleinen,  und bisher selbstverständlichen Dinge sind, die plötzlich viel wichtiger erscheinen.
Die Kochkünste deiner Mutter.
Das typische „Morgen“ deiner Freundin auf dem Schulweg.
Dein Lieblings-Radiosender in Auto.
Das Lachen mit Freunden über Dinge, die nicht lustig sind.
Dein Vater, der einfach alles kann.
Die Bushaltestelle um die Ecke.
Die sarkastischen Kommentare deiner Geschwister.
Deine Lieblingsschokolade.
Die Fußgängerzone in deiner Stadt.
Das ernst gemeinte „Das wird schon!“ deiner Freunde.
Die Abende mit deiner Mutter vor dem Fernseher, obwohl keiner von euch gerne fernsieht.
Der echte Baum für Weihnachten.
Die nächtelangen Gespräche mit deinen besten Freunden.
Die Spielabende im Garten mitten in der Nacht.
Die Besuche bei deiner Tante.
Deinen Hund, den du einfach mal knuddeln kannst.
Der weltbeste Kuchen deiner Oma.
Und noch so viel mehr.

Dann kommen Tage, an denen du einfach nur nach Hause willst, weil alles so anders ist. Dazu kommen auch noch Albträume, die dich nachts nicht schlafen lassen. Andere mögen sich fragen, warum du dir das alles antust. Warum du nicht einfach alles hinschmeißt und nach Hause fliegst.

Warum? Weil das Ganze es wert ist.

Trotz all den schweren Zeiten würdest du deine Entscheidung niemals rückgängig machen. Selbst nach dem 100. Mal würdest du dich noch immer genauso entscheiden wie beim ersten Mal. Auch wenn auf den ersten Blick nicht alles so toll ist wie in deinen Vorstellungen, am Ende ist es sogar noch schöner als du es dir erträumt hast.
Tausende Kilometer von deinem Zuhause gibt es einen Ort, an dem du willkommen bist.
Den du dein Zuhause nennen kannst.
Menschen, die eigentlich Fremde sind, nehmen dich als ihre Tochter auf, einfach so.
Plötzlich hast du zwei Mütter und zwei Väter, die dich lieben.
Die dich abends fragen, wie dein Tag war.
Die stolz auf deine Konzerte kommen.
Zwei Mütter, die dir immer wieder sagen, wie gut ihnen deine neue Frisur gefällt.
Die dich einfach verstehen, weil sie dasselbe durchgemacht haben.
Zwei Väter, die bei dem Gebrauch eines fremden Jungennamens misstrauisch werden.
Die dich auch nachts oder am frühen Morgen von einer Party abholen kommen.
Und dann hast du auch noch eine Schwester, die du lieben lernst wie eine richtige Schwester.
Mit der du durch dick und dünn gehst.
Die zu einer guten Freundin wird, die immer für dich da ist.
Zu der du in der Pause laufen kannst, um dir ihren Taschenrechner für deinen Mathetest auszuleihen.
Mit der du ohne Grund im Abstellraum auf dem Boden schläfst.
Die dich morgens im Schulbus fragt, was im nächsten Kapitel passiert, in dem Buch, das ihr für Englisch lesen sollt.
Die dir eine lachende Sonne in deinen Schülerkalender malt für den Tag, an dem du eine Arbeit in Geschichte schreibst.
Die du auch ohne viele Worte verstehst.
Und wieder sind es die kleinen Dinge, die dir klar machen, dass du dich richtig entschieden hast.
Der lachende Busfahrer, der dich fragt, ob du von Bären verfolgt wurdest,  wenn du mal wieder zu spät zum Schulbus rennst.
Die an eine Videothek erinnernde DVD-Sammlung deines Dads.
Die Begeisterung der ganzen Schule bei dem Basketballspiel der Schulmannschaft.
Das Eis, das selbst in Italien nicht besser schmecken könnte.
Die Tatsache, dass es niemanden stört wenn du die Geschichtsstunde mit dem Kopf auf dem Tisch liegend, schlafend verbringst.
Die 23 jährige Chorlehrerin, die dir im Unterricht erzählt, dass sie sich ihre halbe Augenbraue aus Versehen abrasiert hat.
Die Sonntage an denen du nach der Kirche shoppen gehen kannst.
Der Deutschlehrer, mit dem du auf Deutsch über die ganzen Amerikaner lästern kannst.
Die Aufregung vor dem Homecoming Game des Footballteams an deiner Schule und der panischen Kleiderfrage für den Homecoming Dance danach.
Die Tatsache, dass Leute, die du nur vom Sehen kennst, dich einfach nach Hause bringen, obwohl es 30 Minuten Fahrt bis zu deinem Haus sind und sie in der entgegen gesetzten Richtung wohnen.
Die Tage, an denen alle Lehrer und Schüler in den Schulfarben zur Schule kommen.
Die iMac Computer in der Bibliothek.
Die Fahrt auf dem ATV, auch wenn es kalt ist.
Die Menschen, die alle ihr Deutsch an dir testen wollen.
Die Mottotage in der Schule, and denen alle mitmachen und sich auch die peinlichsten Klamotten anziehen.
Die Liste ist endlos.
Schon vor dem eigentlichen Austauschjahr gab es besonders schöne Momente, die du dein Leben lang nicht vergisst.
Die ernst gemeinten Tränen bei deinem Abschied.
Die ganzen Geschenke, die sich deine Freunde mit so viel Mühe ausgedacht haben.
Einfach der Gedanke, dass deine Freunde und deine Familie dich wirklich unglaublich lieben.
Vielleicht die Vorbereitungstagung die du hattest.
Bei der du so viele nette Leute kennen gelernt hast, die dich verstehen, weil sie in dem Moment das selbe durchgemacht wie du selbst.
Mit denen du Unvergessliches erlebt hast.
Mit denen du offen über deine Ängste sprechen konntest, ohne Angst davor zu haben, dass sie dich auslachen würden.
Von denen Einige zu wichtigen Freunden geworden sind.
Ja, ein Austauschschüler zu sein ist nicht einfach. Aber jeder Moment, in dem du dir am liebsten die Seele aus dem Leib geschrieen hättest, jede Träne, die du vergossen hast und jeder Tag, an dem du alles hinschmeißen und die Zeit zurückdrehen wolltest, waren es wert. Niemand hat jemals behauptet es wäre einfach. Niemand hat jemals behauptet es gäbe nur schöne Zeiten. Ein Austauschschüler zu sein bedeutet, Neues kennen zu lernen. Eine neue Sprache kennen zu lernen. Eine neue Kultur kennen zu lernen. Neue Sitten kennen zu lernen. Fremde Menschen kennen zu lernen. Doch als Austauschschüler lernt man noch so viel mehr. Man lernt andere Wege der Kommunikation. Man lernt sich in zwei Sprachen zu verständigen, zu denken und sogar zu träumen. Man lernt eine andere Denkweise zu verstehen. Man lernt, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Man lernt, dass man für seine Träume kämpfen muss. Man lernt dankbar zu sein, für das, was man hat. Doch das wichtigste, das du lernst ist, wer du wirklich bist. Plötzlich wirst du gefragt, ob du am Wochenende lieber ausschlafen willst, oder etwas unternehmen willst. Man fragt dich ob du lieber Zeit mit der Familie vor dem Fernseher verbringst, oder lieber für dich allein ein Buch liest. Das Schweigen, was für dich schon immer selbstverständlich war, wird als schlechte Laune ausgelegt. Die Frage, ob du immer Kaugummi kaust wenn du genervt bist, ist gar nicht mal so abwegig. Und deiner Angewohnheit, Jedem freundlich gegenüber zu treten und deine Abneigung niemals offen zu zeigen, hast du schon lange keine Beachtung mehr geschenkt. Doch in einem völlig neuem Umfeld kommen solche Fragen nun einmal auf, und mit einem Mal machst du dir Gedanken über deinen Charakter oder deine Eigenschaften, die bis jetzt immer selbstverständlich für dich waren. Als Austauschschüler erlebt man Höhen und Tiefen, viele schöne, aber auch viele schwere Zeiten.

MACHT EIN AUSLANDSJAHR!! ES LOHNT SICH!

Tallinn

Freitag, 29.08.2014

Am Mittwoch war ich endlich in der Tallinner Innenstadt! Und ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil! Die Altstadt ist wunderschön und ich habe sogar das Hamburger Wappen entdeckt :D

Aber mal von vorne: Ich bin mit dem Zug hingefahren und am Bahnhof wurde ich von meiner Support Person, zwei anderen Austausschülern und einer anderen Support Person abgeholt. Wir sind direkt zur Altstadt gegangen, wo wir erstmal gegessen haben! Natürlich nicht irgendwas, sondern etwas typisch estnisches: Pelmeni! Das sind kleine Teigtaschen mit verschieden Füllungen, wie z. B. Fleisch oder Kartoffeln. Alle Sorten waren total lecker, aber meine Favoriten sind die mit Fleisch und Spinat. Als alle aufgegessen hatten, sind wir zu 2 Aussichtsplattformen gegangen, von denen man einen wundervollen Blick über Tallinn hat! Da haben wir ein bisschen Zeit verbracht, und dann fuhr auch schon mein Zug zurück. Insgesamt war der Tag echt schön :)

An diesem Tag habe ich gemerkt, wie klein Estland eigentlich ist: Wir haben innerhalb von 3 Stunden 3 ehemalige Austauschschüler getroffen, die die Support Personen kannten! Einer von ihnen wohnt sogar nur einige Kilometer von mir entfernt!

 

So, und jetzt gibts noch ein paar Fotos!

 

Das bin ich, im Hintergrund ist ein Stück Tallinn zu sehen:

Ich, auf einer Aussichtsplattform 

 

Die wunderschöne Altstadt:

Die Tallinner Altstadt

 

Hamburg \o/

HAMBURG!

Die ersten Tage

Samstag, 23.08.2014

So, ich melde mich auch mal wieder... :D

Ich bin inzwischen seit über einer Woche in Estland und bis jetzt gefällt es mir richtig gut! Die ersten 4 Tage war ich mit allen anderen Austauschschülern, die in Estland sind, auf einem Vorbereitungscamp. Dort konnten wir uns kennenlernen und haben von ehemaligen Austauschschülern etwas über die estnische Kultur gelernt. Wir hatten außerdem Sprachunterricht, der für mich zum Glück auf Deutsch war, weil mehr als die Hälfte der Schüler aus Deutschland kamen. Momentan habe ich trotzdem das Gefühl, ich werde die Sprache nie lernen. Naja, wird schon irgendwie :D In einem "Workshop" haben wir auch gelernt, dass im ATJ unerwartete Dinge passieren können. Wie zum Beispiel eine Schatzsuche um 2 Uhr nachts! Ja, wir wurden um zwei Uhr aufgeweckt, um eine Geheimschrift zu entziffern, einen Zettel zu suchen und letztendlich in der Halle eine Packung Kekse abzuholen. Uns interessierte aber viel mehr, dass wir endlich wieder ins Bett gehen konnten!

Am Mittwoch Mittag war es dann endlich soweit: Wir lernten unsere Gastfamilien kennen! Ich habe 2 jüngere Gastschwestern (5 und 9) und wir leben mit den Großeltern auf einem Bauernhof. Nachdem wir im Camp ein wenig geredet und gegessen haben, sind wir zum Hof gefahren. Als wir ankamen, war ich begeistert! Der Hof ist soo schön, vielleicht poste ich hier bald mal ein paar Fotos. Die meiste Zeit spiele ich mit den Kindern im Garten. Wir verstehen uns ziemlich gut, obwohl sie kein Deutsch und ich so gut wie gar kein Estnisch spreche. Aber das lernen wir zwischendurch immer mal, indem sie auf Bilder in Kinderbüchern zeigen und ich die entsprechende Vokabel sage. Ich kann inzwischen ziemlich viele Tiernamen!

Heute vormittag sind wir nach Tallinn gefahren, um meine ID-Card zu beantragen. Ich habe zwar nicht viel von der Stadt gesehen, aber ich kann jetzt schon sagen, dass sie wunderschön ist! Dort sind einerseits große Einkaufszentren und einige moderne Bauten, andererseits aber auch Gebäude, die vom Alter bis ins Mittelalter zurückreichen!

Bewerbung, Auswahlgepräch und Platzierungsunterlagen

Mittwoch, 02.07.2014

Die Bewerbung... Dazu könnte ich wahrscheinlich etwas mehr schreiben, wenn es nicht fast ein Jahr her wäre, aber so ist es nunmal. Also kann ich nur sagen, dass ich - faul wie ich bin - die ziemlich umfangreichen Bewerbungsunterlagen bis zum letzten Tag aufgeschoben habe. Naja, irgendwie habe ich es doch noch geschafft und hatte dann Anfang Septemer mein Auswahlgespräch.

Zum Auswahlgepräch möchte ich hier nicht all zu viel sagen, um denjenigen, die vorhaben, sich bei YFU zu bewerben, nicht alles zu verraten, aber ich kann euch auf jeden Fall beruhigen: Das Gepräch ist echt entspannt und überhaupt nicht so schlimm, wie man es sich vorstellt. Darauf vorbereiten kann man sich glaube ich nicht wirklich, also seid einfach ihr selbst, dann klappt das schon! Naja, die darauf folgenden Wochen wartete ich jedenfalls Tag für Tag sehnsüchtig auf die Post, was meist eher enttäuschend war.

Aber am 20. September war es dann soweit! Als ich von der Schule kam, lag ein Brief auf dem Tisch. In diesem Brief stand, dass ich für das Natur- und Umwelt-Programm angenommen wurde! Erstmal musste ich überhaupt realisieren, dass da wirklich in einem offiziellen Brief steht, dass ich EIN JAHR in Estland leben darf (Das realisiere ich glaube ich erst, wenn ich da bin)! Dieses Gefühl lässt sich einfach nicht beschreiben. ich war überglücklch! Zu der Freude kam zwar auch ein wenig Enttäuschung, weil es doch nicht Norwegen geworden war, aber die war schnell verflogen.

Wenige Wochen später kamen dann die Platzierungsunterlagen. Ich sollte einige Angaben zu meiner Person machen, damit eine passende Gastfamilie für mich gefunden werden kann, für die ich auch gleich einen Brief schreiben sollte (Was gar nicht mal so einfach ist, wenn man nicht weiß, wem man schreibt). Als die Platzierungsunterlagen abgeschickt waren, passierte längere Zeit nichts, bis ich im Frühjar 2014 die Einladung zur VBT bekam.

Über die VBT erzähle ich dann im nächsten Post (Update: Sorry, der bleibt leider aus. :( )

Warum ein Auslandjahr? Warum YFU? Und warum ausgerechnet Estland?

Mittwoch, 02.07.2014

Das erste Mal kam mir der Gedanke, ein Auslandjahr zu machen im Mai 2012. Ich war seit mehreren Jahren nicht mehr im Ausland gewesen, aber in diesem Monat fuhr ich gleich zwei Mal nach London! Es war nicht nur die Stadt, die mich fasziniert hat, sondern auch, dass das Leben dort so anders ist als hier in Hamburg!

Zurück in Deutschland habe ich mich über verschiedene Austauschprogramme informiert. Zunächst vor allem in Norwegen, da mich dieses Land schon immer fasziniert hat, aber auch bei anderen nördlichen Ländern habe ich mich umgeschaut.
Beim Vergleichen verschiedener Austauschorganisationen bin ich bei YFU hängen geblieben, weil sich hier sehr intensiv und persönlich um die Schüler gekümmert wird, z.B. in Form einer einwöchigen bzw. mehrtägigen Vor- und Nachbereitung des Auslandsjahres. Auf deren Website habe ich die verschieden Schwerpunkt-Programme endteckt, die in einigen osteuropäischen Ländern angeboten werden. Das Natur- und Umwelt-Programm in Estland (Infos zum Programm gibts hier) hat mich besonders angesprochen, da ich ein sehr naturverbundener Mensch bin. Daher landete Estland mit diesem Programm auf Platz 2 meiner "Länderwunschliste" - knapp hinter Norwegen.

Und damit begann für mich die Bewerbugsphase... Aber dazu gibts im nächsten Post mehr!

 

Wilkommen

Mittwoch, 02.07.2014

Joa, Hallo und herzlich wilkommen auf meinem Blog! Ich heiße Lena, bin 15 Jahre alt und werde am 16. August für ein ganzes Jahr (bzw. Schuljahr) mit der Organisation YFU (Youth For Understanding) nach Raasiku in Estland fliegen.

Viel mehr gibt es über mich erstmal nicht zu erzählen, also belasse ich das mal bei einem sehr kurzen Eintag. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen! ^-^